Wer ist Kurt Sohns?

... ein Maler des 20. Jahrunderts - Bildpräsentation

Unter diesem Link finden Sie in 30 Folien einen Überblick über sein Schaffen.

 

Warum

 ein Kurt-Sohns-Archiv in Barsinghausen?

    • Kurt Sohns war ein bedeutender Maler.
    • Kurt Sohns war ein prägender Lehrer.
    • Kurt Sohns hinterließ Spuren an vielen Orten Niedersachsens.
    • Sein Werk ist ein unverzichtbares kulturelles Erbe.
    • Sein Werk lehrt die Nachkriegszeit besser verstehen.
    • Sein Werk wird dauerhaft präsentiert und in einem Archiv erschlossen.
    • Barsinghausen ist Kurt Sohns’ Heimatstadt.
    • Für Barsinghausens Klosterkirche schuf er die farbprächtigen Fenster.
    • Barsinghausen ehrt den großen Sohn mit einem Archiv.
    • Das Kurt-Sohns-Archiv bedeutet eine kulturelle Aufwertung für die Stadt.
    • Das Kurt-Sohns-Archiv stellt in Abständen wechselnde Beiträge zu den Kunstvereinsausstellungen.
    • Das Kurt-Sohns-Archiv und der Kunstverein werden zu einer Kulturadresse Barsinghausens.

     

     

    aus uni intern 1/90, 17. Jg. 1990, H. 1:

    Zum Tode des Malers Kurt Sohns 

    Ehemaliger Universitätsprofessor verstarb im 83sten Lebensjahr 

    Am 4.1.1990 ist Kurt Sohns verstorben, zuletzt Professor für Zeichnen und Malen, seit 1972 emeritiert. Eine ganze Generation von Architektinnen und Architekten hat er seit 1948 mit der Kunst vertraut gemacht, genauer zu beobachten, was sie zeichnerisch oder malerisch darstellen wollten. Er hinterläßt ein umfängliches sehr persönliches künstlerisches Werk. Mit ganzer Hingabe hat er bis in die letzten Monate gemalt. 

    Kurt Sohns wird am 9.1.1907 in Barsinghausen/Deister geboren. Nach dem Tod des Vaters im gleichen Jahr besucht er als angenommenes Kind in Alvesrode eine zweiklassige Volksschule, schließt 1924 in Barsinghausen eine Lehre als B au- und Kunstschlosser ab und arbeitet auf einer Hamburger Werft. Von 1926 bis 1930 lernt er an der Kunstgewerbeschule Hannover, die er mit der Abschlußprüfung als Maler und Graphiker verläßt. 1930/31 studiert er an der Kunstakademie Stuttgart. Reisen führen ihn in die Schweiz, wo er seine ersten Wandmalereien anfertigt, nach Venedig und nach Norwegen. 1930 wird er in der Nachfolge von Carl Wiederhold (*1863) Lehrer für Farbenlehre an der Kunstgewerbeschule, die er 1937 aus politischen Gründen verläßt. Ohne verschiedentliche Förderer wie Clara und Georg Prätorius, Hannover, hätte er schwerlich als Freier Maler überlebt; seinem Künstlerfreundeskreis steht auch Karl Wiechert nahe, später Oberstadtdirektor von Hannover, 1940 wird Sohns eingezogen. Er ist Soldat in Norwegen und in Albanien. 

    Ein Großteil seines bisherigen Werkes geht 1943 im Bombenkrieg in Hannover verloren. Zurück aus dem Krieg beginnt er seine Tätigkeit als Freier Maler zunächst in Einbeck, wohin seine Frau mit den drei Kindern geflüchtet ist. Sohns gründet die Niedersächsische Sezession und ist deren erster Peäsident. Seit 1948 lehrt er an der damaligen Architekturabteilung der Technischen Hochschule Hannover, wo er dem Architekturmaler Berthold F. Hellingrath (1877 1954) nachfolgt; von 1954 an unterrichtet er auch an der damaligen Fakultät für Gartenbau und Landeskultur, Abt. Landespflege. Im künstlerischen Grundunterricht für die Studierenden der Architektur arbeitet er neben dem Bildhauer Kurt Lehmarm. Für die Kollegen wie Ernst Zinnsser (1904 - 1984) und bald auch für viele jüngere Architekten wird er ein anregender Partner bei der Ausschmückung ihrer Neubauten. Zu den Kollegen, denen er sich in der Hochschule verbunden fühlt, zählen E. Pestel, die MathematikerTh. Kaluza und H. Tietz, die Physiker G. Burghardt und H. Glubrecht. 

    Ein durchgängig selbständiger Stil und eine meist introvertierte Haltung kennzeichnen Sohns' zeichnerisches und malerisches Werk von Anfang an. Der Kritiker Fritz Kageler hat 1941 einige seiner frühen, inzwischen weitgehend verlorengegangenen Städte- und Landschaftsbilder abgebildet und treffend kommentiert: "Zugute kam ihm dabei außer seiner ursprünglich schöpferischen Anlage eine außerordentliche Beweglichkeit des Geistes, die ihn instandsetzte, die Ahnungen und Gefühle seines Herzens in das hellere Licht eines klaren Bewußtseins zu überführen. Ist er derart auch von starken Bindungen an die Literatur und an die Theorie erfüllt, so ist doch seine besondere Leistung, daß er dieser Neigung nur insoweit nachgibt, wie sie ihm zur Steigerung seines bildnerischen Ausdrucks dienlich ist." (Westerm. Monatshefte) - Ein anderer Autor reproduziert 1941 zwei jener naivpräzise gezeichneten Landschaftsbilder, die wohl verloren sind, und hebt deren einzigartige "Synthese zwischen Gestaltung und wissenschaftlicher Erkenntnis" hervor. 

    Eine heitere, stets ein wenig dissonante Farbigkeit zeigen besonders die Interieurs und Stilleben. Das spiegelt sich auch in seiner "farbigen Graphik", die durch die gleichnamige Reihe von Ausstellungen der Kestner-Gesellschaft seit 1953 angeregt worden ist. In vielen Ölbildern, zumal in den fünfziger Jahren, überwiegen leuchtende Rottöne. Die großformatigen Aquarelle aus Norwegen gehören immer noch zu den weniger bekannten Werken. Seit den fünfziger Jahren entsteht auch eine Vielzahl repräsentativer Wandbilder in hannoverschen Neubauten, zum Beispiel im heutigen Institut für Biophysik. Es-folgen Wandmosaiken und Glasfenster, etwa in St. Jacobi, Hildesheim, oder in der Münsterkirche in Hameln; und schließlich auch einige Bühnenbilder. In wenigstens 14 Einzelausstellungen, die 1946 in der Landesgalerie des Nds. Landesmuseums beginnen, ist das Sohnssche Werk vornehmlich in nord- und westdeutschen Städten gezeigt worden. Regelmäßig ist Sohns auf den Ausstellungen des Deutschen Künstlerbundes und der Großen Münchner Kunstausstellung vertreten gewesen. Zahlreiche Werke befinden sich in öffentlichem Besitz, so in der UNICEF in Paris; im Carnegie Institute, Pittsburgh, USA; der Städtischen Galerie, Sprengel-Museum, Hannover; der Staatsgalerie Dresden; den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München. Mehrmals sind die Sohnsschen Arbeiten monographisch vorgestellt worden, so zum Beispiel von Ferdinand Stuttmann 1965. Im Jahre 1983 erhält Sohns den Nds. Verdienstorden. 

    Sein Spätwerk wird immer mehr bestimmt von einer nun gesteigerten Leselust und von poetischem Fabulieren. "Sohns' assoziative oder erzählende Malerei benutzt Zitate aus der darstellenden Kunst und Literatur", sagt 1976 der Philosoph F.W. Korff anläßlich einer Ausstellung (Brusberg Berichte, 21). Und Sohns meint selbst dazu: "Ich liebe mehr das Erzählen von Geschichten." Eine kaum überschaubare Vielzahl von Architektinnen und Architekten hat er angeregt; im Fachbereich Architektur wird seine Arbeit von mehreren seiner Schüler fortgesetzt. 

    Peter Reinhart Gleichmann