14.01.2012

Stellungnahme zum Haushaltssicherungskonzept der Stadt Barsinghausen

Themenfeld Kunst und Kultur
Vorschlag II-1.18: Kunstverein

A   Was leistet der Kunstverein für Barsinghausen?

1.    Der Kunstverein ist eine der wenigen kulturellen Institutionen mit festen Öffnungs-zeiten in Barsinghausen 

a)    neben: Besucherbergwerk, „Offene Kirche“, Stadtbibliothek
b)    zusätzlich mit wiederkehrendem Publikum aufgrund von Wechselausstellungen und punktuellen Veranstaltungen (Vernissagen, Führungen, Kunstgespräche etc.)

2.    Der Kunstverein Barsinghausen e.V. ist ein Verein im Aufbau

a)    1. Phase: 2002 in Zusammenarbeit mit dem Stadtangestellten Karl Kasch privater Ar-beitskreis Kunst mit Ausstellungen v. a. lokaler Künstler an wechselnden Orten
b)    2. Phase: 2006 Eintragung als e. V. und Fortsetzung der Arbeit mit vier Ausstellungen und vier Katalogen pro Jahr
c)    3. Phase: 2009 Einrichtung des „Raums für Kunst“ hinter dem Restaurant Marmite
d)    4. Phase: 2010 und 2011 nach Streichung der städt. Stelle „Karl Kasch“ Förderung durch die Stadt mit zweimal 4.000 Euro zur Fortsetzung der Ausstellungstätigkeit
e)    Der Kunstverein verzeichnet ein ständiges Anwachsen der Mitgliederzahl (z. Z. 84) und der Besucherfrequenz (durchschnittlich 100 Besucher allein pro Vernissage in 2010 und 2011, nur wenige Kunstvereine schaffen das)

3.    Der Kunstverein fördert die kulturelle Diskussion, Identität und Integration innerhalb der Stadt 

a)    2007 Anbringung der Gedenktafel für Kurt Sohns
b)    Kunst im öffentlichen Raum: 

  • 2007 Stele von Hannes Meinhard an der Stadtsparkasse
  • 2008 Kreuzstele von Hannes Meinhard an der Klostermauer
  • 2012 geplant: nachhaltiges Landart-Projekt im östlichen Biotop der Halde

c)    2009, 2010, 2011, geplant für 2012: Künstlerwerkstätten mit Schülern 
d)    2010 Integrationsprojekt „Unser Raum der Kulturen“
e)    2008, 2011 „... und nun wir - Mitglieder des akkb stellen aus“
f)    Regelmäßige öffentliche Führungen durch die Ausstellungen (jeden Donnerstagabend)
g)    Angemeldete Führungen für Schulklassen und Gruppen
h)    Jährlich Sommerfest bei Hannes Meinhard
i)    Angebote von Kunstfahrten 
j)    Sonderveranstaltungen wie in 2011: Csakan und Tafelklavier in der Klosterkirche
Natascha Konsistorum, Piano im Restaurant Marmite

4.    Der Kunstverein fördert die heimischen Künstler

a)    z. B. Aufstellung der Kreuzstele von Hannes Meinhard an der Klostermauer
b)    Ausstellungen mit professionellen und semiprofessionellen Künstlern der Stadt
c)    Erstellung von Referenz-Katalogen mit Reproduktionen und Texten

5.    Der Kunstverein präsentiert in Barsinghausen regionale und überregionale Kunst

a)    z. B. 2011: semiprofessionelle Künstler aus Barsinghausen, Künstler aus Hannover, aus Frankreich
b)    z. B. geplant für 2012: „Kunst rundum“ (Künstler am Deisterkreisel), Künstler aus Hannover, Berlin, Duisburg, Freiburg

6.    Der Kunstverein zieht zunehmend ein Publikum aus Hannover und der Region an

a)    Wir verzeichnen ein zunehmendes Interesse der hannoverschen Künstler und Kritiker an unserer Arbeit
b)    Der Anteil auswärtiger Besucher steigt ständig

7.    Der Kunstverein bemüht sich um das Erbe und das Andenken bedeutender Barsinghäuser Künstler

a)    Kurt Sohns: Die Erben haben den Nachlass als Dauerleihgabe zur Präsentation angebo-ten, eine bereichernde Ergänzung zu den Sohns-Fenstern in der Klosterkirche. Bisher fehlt dazu der Raum (Handlungsbedarf! s. Punkt 12 b)
b)    Georg Matern: Der Nachlass wird zur Zeit in Italien (offensichtlich) erfolgreich unter dem Motto „Un maestro tedesco“ vermarktet. Es gilt, das Verbliebene zu dokumentie-ren und Teile für Barsinghausen zu retten

8.    Der Kunstverein ist als „weicher Standortfaktor“ in der Konkurrenz Barsinghausens mit den Nachbarstädten unverzichtbar

a)    Alle Studien zur modernen Wirtschaftsentwicklung und zum Stadtmanagement heben die Bedeutung weicher Standortfaktoren hervor
b)    Die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt geschieht weitgehend über die benennba-ren Angebote innerhalb der Stadt: „Was es hier gibt.“
c)    Das gilt insbesondere angesichts der demografischen Entwicklung
d)    Mit dem kulturellen Angebot steigt die Attraktivität für 

  • die Kunden in der Innenstadt
  • die Ansiedlung von Neubürgern
  • die Ansiedlung von Firmen
  • die Bindung von Kunden der Firmen und Geschäftsleute
  • die Gastronomie und die Hotellerie
  • den Tourismus

9.    Barsinghausen braucht dringend Leitlinien zur kulturellen Entwicklung

a)    Welches kulturelle Angebot gibt der Stadt als großstadtnahem Mittelzentrum ein Profil?
b)    Wie lässt sich die Innenstadt kulturell beleben?
c)    Wie lassen sich die Angebote konzentrieren und die Kräfte der Anbieter bündeln?
d)    Ist Diversifizierung aufgrund der unterschiedlichen Bedingungen der Kulturanbieter nö-tig? Inwieweit auch zur Arbeitsaufteilung?
e)    Inwieweit müssen die einzelnen Sparten aufgrund ihrer unterschiedlichen Bedingungen bezuschusst werden?
f)    Inwieweit sind die sachlichen und ideellen Voraussetzungen für ehrenamtliche Tätig-keit gegeben?
g)    Welche Form der Anschubfinanzierung ist nötig. Wo kann dauerhafte Bezuschussung wegfallen?
 

B   Zur Förderung des Kunstvereins durch die Stadt

10.    Bisher und bis 2015:

a)    Vorstand und Mitglieder des Vereins arbeiten ausschließlich ehrenamtlich ohne irgend-eine Aufwandsentschädigung (Einrichtung des Ausstellungsraums, Planung und Vor-bereitung der Ausstellungen, Beantragung von Fördermitteln, Transport und Aufbau, Rahmenveranstaltungen, Aufsichten, Bewilligungsnachweise) 
b)    Bis 2009 wurde die Ausstellungstätigkeit durch den städtischen Angestellten Karl Kasch inhaltlich und mit den Möglichkeiten seiner Dienststelle unterstützt
c)    Nach Wegfall der entsprechenden Stelle setzte die Stadt die Kunst-Förderung durch ei-nen finanziellen Beitrag von 4.000 Euro in 2010 und 2011 fort
d)    Die Fördersumme wurde für die Kunst- und Kunsttransport-Versicherung, für die Ver-besserung der Grundausstattung des „Raums für Kunst“ und anteilig für Werbung und Druckkosten verwandt
e)    Weitere Projektförderung in fast doppelter Höhe konnte großenteils nur eingeworben werden, weil die überregionalen Förderer lokale Förderung voraussetzen oder weil überhaupt nur anteilig gefördert wird
f)    Die im Haushaltssicherungskonzept schrittweise gekürzten Summen sind für die Fort-führung der Arbeit und der Konsolidierung des Kunstvereins unbedingt nötig

11.    Ab 2016:

a)    Die (hoffentlich!) verbleibende Summe von 1.000 Euro ist als finanzielle Unterstützung und als deutliches Zeichen für überregionale Förderer unabdingbar. Andernfalls muss der Verein seine Arbeit einstellen
b)    Ob angesichts der sozialen Struktur der Stadt eine Beitragserhöhung oder Staffelung des Beitragssatzes (24 Euro) den Ausfall kompensieren kann und/oder ob eine inten-sivere Mitgliederwerbung weiter führen kann, muss die Mitgliederversammlung ent-scheiden
c)    Erhebung von Eintritt ist im Interesse der Breitenarbeit und des für alle offenen Zu-gangs zur Kunst bisher unterblieben und scheint auch in näherer Zukunft mit dem Ver-einsziel Kunstvermittlung nicht vereinbar
d)    Eine Förderung durch das Land Niedersachsen im Rahmen seiner Förderung von Ausstellungs-Jahresprogrammen kann beantragt werden, wenn langfristige Planungssi-cherheit besteht:
i)    in der Raumfrage: Der jetzige „Raum für Kunst“ steht uns nur als Zwischenlösung und als Provisorium bisher (dankenswerterweise!) mietfrei zur Verfügung. Aller-dings wird der Verein in Zukunft Miete zahlen müssen. Ein notwendiger Ausbau des Provisoriums würde aber unverhältnismäßig teuer (Heizungseinbau, energetische Sanierung, unabhängige sanitäre Anlagen, Barrierefreiheit) und kommt daher nicht in Frage
ii)    in Ressourcen (finanziell und zeitlich): Für eine professionelle Programmplanung mindestens zwei Jahre im Vorhinein (Atelierbesuche, Festlegung einer Programm-struktur, Absprachen, Kostenschätzung und immer wieder Beantragung von Projekt-förderung) 
Mit unseren Programmen der letzten Jahre können wir durchaus mit vergleichbaren und großzügig geförderten Vereinen konkurrieren, so dass wir uns Chancen auf Förderung ausrechnen - wenn die Raumfrage zu lösen ist.

12.    Konsequenz: kurzfristige Entscheidungen

a)    Die Lösung der Raumfrage und damit der Fortbestand des Vereins scheint zur Zeit nur über Sponsoring möglich zu sein. Voraussetzungen dafür:

  • ein konkretes Objekt: nach langen vergeblichen Bemühungen ist uns jetzt die An-mietung des ehemaligen Modehauses Ballin in der Osterstraße zu sehr günstigen Konditionen angeboten worden
  • ein tragfähiges Nutzungskonzept für den Raum und eine verlässliche Vereinsstruk-tur
  • ein deutliches Zeichen des Rats, dass der Einzug des Kunstvereins in die Innenstadt gewünscht ist (Leitbild!)
  • die breite Unterstützung der Sponsorenanwerbung durch die Öffentlichkeit, den Rat und die Verwaltung
  • ein Mietvertrag, der sowohl der Vermieterin als auch dem Verein auf absehbare Zeit Sicherheiten gibt 

b)    Eine zusätzliche Chance sieht der Verein in der dauerhaften Präsentation der „Samm-lung Kurt Sohns“. In der ehemaligen Schauburg/ Modehaus Ballin wäre sie sehr gut neben den Wechselausstellungen zu gewährleisten. Voraussetzung dafür:

  • i)    ein Vertrag über die Dauerleihgabe zwischen den Sohns-Erben und der Stadt
  • ii)    eine qualitative Ausstattung der „Sammlung Sohns“ seitens der Erben, die die dau-erhafte Präsentation in Barsinghausen rechtfertigt

C   Fazit: Positiv handeln statt jammern!

13.    Der Kunstverein Barsinghausen e.V. akzeptiert die vorgesehenen Kürzungen seiner Förderung im Rahmen des Haushaltssicherungskonzepts ab 2016, weist aber auch darauf hin, dass er bei weitergehenden Kürzungen seine Arbeit einstellen müsste 

14.    Der Fortbestand des Kunstvereins hängt zunächst vom Gelingen des Sponsorings und vom Einzug in das ehemalige Modehaus Ballin ab
15.    Ein Umzug in die Osterstraße wäre nicht nur für die Entwicklung des Vereins ein entscheidender Schritt, sondern auch
a)    ein Gewinn für die Innenstadt (Bereicherung während der Geschäftszeiten, Belebung an Abenden und Wochenenden durch besondere Veranstaltungen, Anbindung der Oster-straße an die Marktstraße)
b)    ein Gewinn an Attraktivität der Stadt für Firmen, Neubürger und Touristen
c)    ein Gewinn für die Identität Barsinghausens als zukunfts- und weltoffene Stadt
16.    Zur Anschubfinanzierung des Sponsorings wäre ein finanzieller Beitrag der Stadt im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten sehr hilfreich. Deswegen hält der Kunstverein sei-nen Antrag vom 29.08.2011 an den Bürgermeister aufrecht und bittet demgemäß bis zum Jahre 2015 einschließlich um eine Förderung in Höhe von 6.000 Euro. Die Differenz zu den vorgeschlagenen Kürzungssummen betrüge insgesamt 9.000 Euro und würde auf das Spendenkonto für das Projekt Modehaus Ballin eingezahlt. 
Wir betonen, dass der Kunstverein diesen Antrag unbeschadet seiner Zustimmung zu den Kürzungsvorschlägen in Nr. 13 stellt. 
(der Vorstand des Kunstvereins, 14.1.2012)

10.01.2012

Dokumente

Einige wichtige Dokumente:

Der Förderungsvorschlag:

  • 2012, 2013: 4.000 Euro
  • 2014: 3.000 Euro
  • 2015: 2.000 Euro
  • 2016: 1.000 Euro

Das Fazit der Verfasser des Kürzungsvorschlags:

  • ggf. unzureichende Mittel für Fortführung der Arbeit des Kunstvereins
  • Verringerung des kulturellen Angebots in Barsinghausen
  • Ausweichen auf andere Kulturangebote in anderen Kommunen bzw. Institutionen