Laufmuster

 Diesen Text hören.

Die sechs gerahmten "Laufmuster" der Enfants Terribles isolieren Details der Ausstellung, auf die der Besucher nicht so leicht aufmerksam wird. Sie scheinen die Streifenbilder eines Daniel Buren (* 1938) zu zitieren, sind aber sehr viel beziehungsrecher, und zwar nach außen (in die Kunstgeschichte) und nach innen (auf das eigene Werk). 

Einer der Stammväter der Kunst der Enfants Terribles ist der Amerikaner Robert Rauschenberg mit seinen Combines, die Skulptur und Malerei und höchst heterogene Materialien und Ready-Mades miteinander verbinden. Vor allem ist sein Combine "Monogram" (1957) berühmt geworden, in dem er eine Bergziege  mit einem Autoreifen kombiniert und beides auf eine gemalte und collagierte Tafel stellt. Eine solche Tafel bildet auch das Fundament für sein Combine "Rosecondor (Scale)" von 1977. 

In ähnlicher Weise stellen die Enfants Terribles ihre Skulpturen auf eine farbig gestaltete Tafel. Allerdings zeigt diese Tafel ihrem spezifischen Ansatz gemäß eine fotografische Reproduktion - und sie bezieht sich unmittelbar auf die jeweilige Skulptur; sie gibt in den Streifen die wenigen verwendeten Farben und in Vergrößerung Details der verwendeten Materialien wieder, sei es ein Knopf oder eine Halskette. Sie verweisen ebenfalls auf die Musterstreifen in den Rand- oder Fußstreifen ihrer Laufbilder, die das dort verwendete "Farbmaterial" dokumentieren. 

Aus all diesen Bezügen herausgenommen und in Rahmen gefasst werden die "Laufmuster" zu eigenständigen Kunstwerken, wohl auch dadurch, dass der Verweisungscharakter spürbar bleibt, selbst wenn oder gerade weil die direkten Bezüge abgeschnitten und gleichsam offen bleiben.

So sind all die hier gegebenen Anmerkungen wie Fußnoten in einem guten Text nichts weiter als Zugaben. Der Text muss auch ohne sie verständlich und lesbar sein. Da heißt hier: Die Rauminstallation vermag auch ohne Erklärungen die Aufmerksamkeit des Betrachters zu fesseln.