Liebermann

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Der "Liebermann" erinnert an Catcher, die so wild auftreten und sich doch nichts zuleide tun. Das Motiv des kraftvollen Körpers eines Kämpfers ist uralt und geht letztlich auf Darstellungen des antiken Kulturheroen Herakles zurück, der die Welt von bösen Ungeheuern befreite, die sie umstellten. Seine Waffe war die Keule. Das Motiv war vor allem im Barock zur Verherrlichung von Fürsten besonders beliebt. 

Mit Kurzschwert und Unterarmschutz wurden römische Gladiatoren dargestellt. Doch bei ET langt der linke Arm des Kraftmonsters mit dem Messer nicht nach dem Feind aus, sondern biegt sich zurück, um den Luftballon in Herzform ans eigene Herz zu drücken. Auch in dieser Skulptur finden wir also die Ambivalenz von Bedrohung und Kindlichkeit. Ist das für das sonstige martialische Auftreten häufig allzu kindliche Ego gemeint? 

Und dann noch im Namen ein Verweis auf Max Liebermann (1847 - 1935), den großbürgerlichen deutschen Malerfürsten, der in der Kaiserzeit für seine "Rinnsteinkunst" angefeindet wurde, dann zum Präsidenten der Akademie der Künste aufstieg, anfangs die Expressionisten ablehnte, schließlich aber doch zum Begleiter aller neuen Kunstströmungen wurde, um sich am Ende in Hitlerdeutschland voller Hass auf die neuen Machthaber aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. 

Seine "Zwei Reiter am Strand" von 1901 machten im lezten Jahr Schlagzeilen als Teil der Sammlung Hildebrand Gurlit, in die sie wohl 1939 als Werk eines jüdischen Malers und aus dem Besitz eines jüdischen Sammlers geraten waren. 

In der Zeitung war zur Eröffnung unserer Ausstellung lesen, dass die Skulptur "Liebermann" Max Liebermann darstelle. Das ist natürlich nicht wörtlich zu verstehen. Vielleicht ist sie ja als Allegorie des provozierenden Künstlers zu verstehen, wie er scheinbar gewalttätig daherkommt, aber doch nur einen Luftballon zu bieten hat. Eine überraschende Vorstellung?